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Rike GIMPt Part V

Mich hat kürzlich die Frage erreicht, wie es ohne Vorkenntnisse möglich ist, schnell eine Landkarte für eine Fantasywelt auf die Beine zu stellen. Tja, ich habe zwei Nachrichten für euch. Die schlechte ist, mal eben aus dem Handgelenk schütteln ist nicht. Die gute Nachricht ist dagegen, man kann zumindest die Land-Meer-Verteilung relativ schnell erstellen. Genau darum geht es im heutigen Tutorial. 


Nicht jeder ist zeichnerisch so versiert und zaubert mal eben die Umrisse eines Kontinents mitsamt Inselgruppen drumherum aufs virtuelle oder reale Papier. Aber wozu haben wir GIMP mit seinen zahlreichen Funktionen? Nachstehend seht ihr die ersten Schritte auf dem Weg dahin. Wir beginnen links mit einer schwarzen Ebene. Wie die erstellt wird, solltet ihr schon wissen. Falls euch das schon überfordert, empfehle ich euch an dieser Stelle meine Einstiegtutorials in GIMP Teil 1 und Teil 2, um euch mit dem Programm vertraut zu machen.

 

Nachdem wir nun eine schwarze Ebene erstellt haben, wenden wir uns im Menüband den Filtern zu. Dort suchen wir uns die Funktion Render und gehen im dortigen Untermenü weiter zu Rauschen -> Differenz-Wolken. Jetzt öffnet sich ein neues Fenster. Ihr könnt diverse Einstellungen vornehmen und seht eine Miniaturvorschau. Je nach getroffenen Einstellungen ändert sich das Vorschauergebnis für unsere schwarze Ebene.

 

Ich gebe euch den Tipp es mit den Zahlen nicht zu übertreiben. Für mein Beispiel (mittiges Bild) habe ich die Detailgenauigkeit auf 5 gesetzt und die Werte für x sowie y auf 1,8. Mit dem Button zufällig könnt ihr ein neues Ergebnis mit den zuvor festgehaltenen Parametern erzeugen.

Jetzt benötigen wir dir Funktion Schwellwert. Die finden wir im Reiter Farben vom Menüband. Angeklickt, öffnet sich wieder ein Fenster. Die Grafik zeigt euch die schwarz-weiß-Verteilung eures Bildes an, das im Hintergrund bereits in diese zwei Farben gewechselt ist. Nun gibt es einen Regler zum Verschieben, entweder zu mehr Weiß- oder mehr Schwarzanteil. So erhalten wir ein Bild wie oben rechts zu sehen ist. Ihr müsst eure Parameter nur noch bestätigen und habt den Großteil der Arbeit schon erledigt. 


Jetzt machen wir daraus eine Landmasse mit Meer drumherum. Dazu definiert ihr genau zwei Farben, ein Blau (z.B.: 018fcd) und ein Beige (z.B.: c5a77f). Nun erstellen wir zwei neue transparente Ebenen und nennen sie jeweils Meer und Land

 

Anschließend werft wir einen Blick auf die Werkzeugauswahl. Bei mir befindet sich zwischen dem Scherensymbol und dem Zauberstab ein Icon zur Auswahl einer Fläche gemäß vorhandener Farbe. Dargestellt wird es durch drei Punkte angeordnet in einem Dreieck. Dieses wählen wir aus und klicken auf der aktiven schwarz-weiß-Ebene auf die weiße Fläche. Ihr solltet nun an den Rändern jeder weißen Fläche eine laufende Ameisenlinie sehen. 

 

Je nachdem, was bei euch nun Land oder Wasser sein soll, wechseln wir auf die zuvor erstellte Ebene und wählen den Fülleimer in unserem Werkzeugkasten aus. Ich widme mich gerne zuerst der Landmasse und so kommt bei mir das Beige auf der Landebene zum Einsatz. Danach wechsle ich auf die Meerebene, invertiere meine Auswahl im Reiter Auswahl meines Menübandes und wechsel zum Blauton. Meine Auswahl hat sich umgedreht und auf der Wasserebene kann ich nun die andere Fläche einfärben, die zuvor für die Landmasse gesperrt gewesen ist. 

 

So sieht mein vorläufiges Ergebnis aus mit der nachstehenden Ebenenanordnung von oben nach unten:

  • Land
  • Meer
  • schwarz-weiß-Verteilung (nicht zu sehen, weil von Farbe überlagert)

(Das Bild lässt sich per Klick vergrößern.)

 

 

 

Aus dem Internet könnt ihr euch von unterschiedlichen Plattformen für lizensfreie Bilder schnell und legal ein Pergamentbild auf euren PC ziehen, denn das brauchen wir als nächstes. Kopiert es als neue Ebene in eure Arbeit, bringt es wenn nötig auf die passende Ebenengröße (es darf durchaus unscharf werden, das ist egal) und dubliziert die Pergamentebene.

 

Jetzt wechseln wir auf die Land-Ebene im Auswahldialog, wo die Ebenen gelistet sind, und wählen mittels rechtsklick den Befehle Auswahl aus Alphakanal aus. Jetzt erklärt sich auch die Anlage zweier Ebenen und nicht einer einzigen. Es vereinfacht das Arbeiten ungemein und man kann jederzeit diverse Schritte rückgängig machen, ohne die vorherige Arbeit neu starten zu müssen.

 

Nun machen wir genau zwei Dinge. Mit dieser Auswahl gehen wir zu einer der Pergament-Ebenen und drücken die Entf-Taste. Bravo, wir haben die Landmasse ausgeschnitten. Jetzt invertieren wir die Auswahl, so wie vorhin schon einmal, wechseln auf die andere Pergamentebene und drücken wieder die Entf-Taste. Wir erhalten so das passgenaue Gegenstück. 

Gemäß folgender Ebenenanordnung erhalten wir nebenstehendes Bild:

  • Land (Deckkraft 70%)
  • Land-Pergament 
  • Meer-Pergament (Multiplikation, Deckkraft 65%)
  • Meer

Gleichzeitig sind zwei der Ebenen-Modi angepasst. 

 

(Das Bild lässt sich per Klick vergrößern.)

Nun brauchen wir ein Script namens Script-Fu. Es ist nicht automatisch Bestandteil von GIMP, erleichtert aber unsere Arbeit ungemein. Ihr solltet es euch installieren. Bei Youtube findet ihr diverse Videos, wie ihr dazu vorgehen müsst.

 

Fall ihr das nicht wollt, könnt ihr mit etwas Mehraufwand ein ähnliches Ergebnis nur mit den Standardfunktionen von GIMP erzeugen, wie ich es im Folgenden mit Script-Fu machen werde. Wie ihr dazu vorgeht, lest bitte in meinem ersten Tutorial zur Kartenerstellung durch und zwar genau hier!

 

Beim Script-Fu brauchen wir jetzt drei Funktionen Stroke, Inner Glow und Outer-Glow. Mit Stroke können wir die Landmasse nachziehen. Dazu wählen wir die Landebene an (keine Auswahl treffen!) und die Funktion Stroke im Script-Fu aus. Ein Auswahlfenster erscheint. Dort stellen wir die Farbe auf schwarz, setzen die Strichstärke irgendwo auf 1-3 (probiert etwas rum, was besser aussieht im Ergebnis) und stellen den Regler für die Position der Linie auf 100 (entspricht der Außenlinie). Wir bestätigen und erfreuen uns am Ergebnis einer simplen Funktion.

 

Nun benutzen wir den Inner Glow auf der Landebene. Wir nehmen wieder Schwarz als Farbe und setzen die Größe (Size) auf einen Wert zwischen 20 und 30. Nach der Bestätigung beginnt ein Rechenprozess und wenig später erhalten wir ein Ergebnis. Jetzt wenden wir uns dem Outer Glow zu, ebenfalls auf der Landebene. Statt schwarz nehmen wir nun weiß als Farbe. Alles andere belassen wir beim Inner Glow.

Die folgende Karte stellt mein Ergebnis dar. Die Ebenen sind wie folgt angeordnet:

  • Land-Inner Glow
  • Land
  • Land-Stroke
  • Land-Pergament
  • Land Outer Glow
  • Meer-Pergament
  • Meer

(Das Bild lässt sich per Klick vergrößern.)

 

Ich hoffe, ich konnte euch eine einigermaßen zügige Arbeitsweise vorstellen auch für jene, die mit Stift und Papier immer auf Kriegsfuß stehen. Einzig beim Erstellen der Schwarz-Weiß-Ebene müsst ihr ein wenig herumprobieren, da dieser Teil der Arbeit auf dem Zufallsprinzip beruht.

 

Im nächsten Tutorial zeige ich euch, wie man isometrische Berge zeichnet. Hier ist definitiv wieder mehr Zeichentalent gefordert. Aber, es ist weit leichter, als es manchmal auf fertigen Karten aussieht.

 

Eure Rike