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Weltenvorstellung Tag 4: Meine Inspiration

In diesem Beitrag dreht sich alles um tierische und pflanzliche Eigenkreationen. Während ich beim weltenbasteln eher grobschlächtig vorgehe, fällt beim

Schreiben ganzer Geschichten naturgemäß die Feinarbeit an. Hier mache ich mir noch einmal eingehend Gedanken, um meine bisherigen Informationen. Es kann also vorkommen, dass ich gewisse Dinge revidieren muss oder sie schön ausschmücke.

Meistens passiert letzteres, was mir natürlich sehr zusagt.

 

Meine Romane spielen derzeit noch alle im Dschungel von Onar, einer sehr urtürmlichen Gegend. Entsprechend musste auch die Gestaltung ausfallen. Ich neige dazu, dem Leser die Gegend sehr plastisch zu vermitteln. Bisherige Rezensionen bestätigen: Es kommt gut an. Doch wie komme ich auf all diese Ideen? Ich gebe euch mal ein paar Beispiele. 


Karakshubäume

 

Die Karakshubäume sind eine sehr häufig auftretende Baumart des Dschungels. Sie orientieren sich an den Mammutbäumen der USA. Habt ihr schon Fotos davon gesehen? Bei richtig alten Mammutbäumen braucht es eine Kette aus mehreren Menschen, um sie zu umschließen. Sie können auch bis knapp unter 100m hoch werden. Das war natürlich eine perfekte Vorlage, die ich an meine Zwecke angepasst habe. Hinzu kommt noch ein Detail, das bei tropischen Bäumen unserer Welt vorkommt. Ich spreche von Brettwurzeln. Auch die habe ich in Form und Größe angepasst, so wie es die Umstände und auch meinem Geschmack entsprach. Als die Karakshubäume fertig waren, kam die Idee, genau diese Bäume als Heimat für die Manori herzunehmen. Mit Magie erschaffen sie daraus wahre Giganten, die den restlichen Dschungel noch um einiges überragen. Das Leben spielt sich innerhalb und außerhalb der Bäume gleichermaßen ab.

 

Band 2 "Die schwarzen Steine" 

 

(1 - oberhalb der Baumriesen)

Er wollte schon nachfragen, weshalb sie stehen blieben, als ihm selbst auffiel, wo sie inzwischen angekommen waren. Aufgrund seiner Anspannung und Sorge um seinen Vater war ihm entgangen, wie sie sich der letzten Windung des Pfades näherten und die vormals dicht belaubten Äste nun den Blick auf die Stadt und die daran angrenzende Umgebung freigaben. Sie standen oberhalb der Grenze vom Blätterdach des umliegenden Dschungels. Die derzeit klare Sicht bot ihnen den prachtvollen Anblick eines smaragdfarbenen Meeres, abgegrenzt durch einen wunderschönen wolkenfreien Himmel. Nur knapp darüber erhob sich in noch größerer Höhe die Stadt Shadranaey. Auf jedem der Baumriesen gab es drei untereinander liegende Ebenen, auch Ringpfade genannt. Hängebrücken verbanden die jeweils Gegenüberliegenden zu einem Dreiecksmuster und je zwei Aufgänge führten zu dem darüber oder darunter gelegenen Ringpfad.

 

(2 - Im Labyrinth unter den Wurzeln) 

Die kuppelartige Halle war von beachtlicher Größe, ähnlich der der Gemeinschaftshallen direkt in der Stadt und die besaßen im Innenbereich beinahe den Umfang des Stammes. Genau mittig stand der verholzte Urspross des Baumriesen. Dessen Umfang maß mehrere Schritte. Sein Fuß war tief in der Erde vergraben und auf Hüfthöhe eines erwachsenen Manori befand sich eine breite ringförmige Vertiefung. Normalerweise sammelte sich dort das Wasser, das der Spross aus der Erde aufnahm. Jetzt allerdings schimmerte nur

noch ein karges Rinnsal in dem schwachen Licht der darüber rankenden Knospen.

Aufmerksamer schaute Nairi weiter, zunächst zu den aus dem Stamm gewachsenen übermannshohen Trennwänden am Rand der Halle. Sie bildeten gekammerte Areale, die der Versorgung von Kranken und Verletzten dienten. Anschließend nahm sie die dazwischen angelegten, hierher führenden Zuwege der Heilerhalle in Augenschein. An einem der vier Durchgänge standen derzeit Nairi und Lugaan. 


Mitak

 

Zu dieser Kreation haben mich verschiedene Pflanzen inspiriert, nämlich Orchideen und natürlich verschiedene fleischfressende Pflanzen. Die Luftwurzeln von Orchideen wurden zu Fangarmen und der ausladende Kelch zum alles fressenden Schlund. Das ganze wurde ansehnlich verpackt und heraus kam eine tödliche Pflanze selbst für Manori.

 

Band 2 "Die schwarzen Steine"

 

   Beim letzten Marsch am südöstlichen Rand des Mitakgebietes entlang hatte Nairi diese

fleischfressenden Pflanzen nicht zu Gesicht bekommen, da sie zu einem Spähgang

weit entfernt davon eingeteilt worden war. Dafür bot sich ihr jetzt die Gelegenheit. Überall, auf und um die großen Hyjalibäume mit ihren flachen, ausladenden Wurzeln und weitreichenden Baumkronen, wuchsen die kleineren Exemplare dieser wunderschönen und todbringenden Pflanzen. Anhand ihrer Größe ließ sich das Beutespektrum genau einschätzen. Die Kleinsten unter ihnen konnten hier niemandem gefährlich werden. Anders sah das bei den ausgewachsenen und am Boden siedelnden Mitak aus.

   Deren Ranken verbargen sich unter totem Laub und Gehölz genauso wie im dichten Gestrüpp anderer Pflanzen. Ihre Blütenkörper brauchten besonders viel Licht. Daher hielt

Nairi nach größeren und freien Flächen Ausschau. Nach einer Weile erspähte sie in einiger Entfernung riesige sonnengelbe Blütenblätter, die ineinander verdreht nach oben in den Himmel ragten. Atemberaubend schön war der Anblick, selbst mit dem Wissen, dass die Pflanze soeben dabei war, ihre Nahrung zu verdauen. Staunend haftete ihr Blick noch einen Moment lang an diesem ausgewachsenen Exemplar, ehe Nairi sich wieder auf den Weg vor ihren Füßen konzentrierte. 


Jaotare

 

Diese Wesen sollten von vorneherein bestienartig werden. Wie anhand der Mitak schon zu sehen war, mische ich Elemente unterschiedlicher Lebensformen miteinander. Auf der Suche nach den richtigen „Zutaten“ bin ich in unseren Dschungel abgetaucht und pikte mir die Großkatzen und Echsen heraus. Beiläufig fiel mir noch der Triceratops ein. Ja, das ist ein Dinosaurier. Und? Der fällt, großzügig gesehen, in die Kategorie große Echse.

 

Wenn man hingeht und so grundverschiedene Arten mischt, braucht es natürlich auch eine gute Erklärung. Also schob ich ihre Entstehung den Sanmaren in die Schuhe, die konnten sich eh nicht mehr wehren und besaßen das nötige Wissen sowie die Technik. Zum Glück für meine Romanwelt ist das Wissen darum den heutigen Völkern unbekannt, was für die Technik nur zum Teil gilt. Aber das ist ein anderes Thema.

 

Abgesehen von ihrem aussagekräftigen Aussehen, gab ich den Jaotaren noch die Fähigkeit der Gedankensprache und einen magischen Spürsinn. Na, kommt euch das bekannt vor? Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, welche Echsenart ihre Gene an diese Bestie gespendet hat. Richtig, es waren Drakkaren, die den Sanmaren in die Hände fielen und durch eine Reihe von Experimenten in eine neue Form überführt wurden.

 

Band 1 "Im Schatten des Jaotar"

 

   Im letzten Moment wich Yriiel einem rechten Haken aus. Der Schlag zielte auf sein Kinn und hätte ihn bei einem Treffer vermutlich das Bewusstsein gekostet. Um nicht sofort wieder auf ähnliche Weise attackiert zu werden, zog Yriiel sich eiligst einige Schritte nach hinten zurück. Ein bösartiges Lächeln zierte Jharuuns Gesicht. Zu seiner Überraschung versuchte der Kastenmeister nicht, ihm nachzustellen. Er blieb einfach stehen, ohne

Yriiel dabei aus den Augen zu lassen. Ihn beschlich eine düstere Vorahnung, die

umgehend Bestätigung fand. Ein stetig lauter werdendes Grollen ertönte hinterrücks.

   »Nicht umdrehen!«, rief Landir.

   Die Warnung kam zu spät. Yriiel wirbelte bereits herum und erstarrte. Ein ausgewachsener Jaotar stand mit wenigen Schritten Abstand vor ihm und überragte ihn um mehr als einen Kopf. Die Schulterhöhe lag eine halbe Armlänge über der seinen. Ein dichter Schuppenpanzer überzog nahezu den gesamten Körper. Nur an den Ohren, der Quaste des Schwanzes, den Pfoten und entlang der Wirbelsäule wuchs sandgelbes, gebändertes Fell. Am Hinterkopf ragten auf der gesamten Breite lange, spitze und nach vorne gebogene Hörner heraus. Die Schnauze ähnelte stark der einer großen Raubkatze. Das markanteste Merkmal am Gesicht waren aber nicht etwa die langen Säbelzähne, sondern die Augen. Sie glichen der einer Schlange, mit ihren schlitzförmigen Pupillen

umgeben von einer gelblich grünen Iris, und standen im starken Kontrast zum dunklen Schuppenkleid, das unter den vorherrschenden Lichtverhältnissen fast schwarz aussah.

   Nur an wenigen Stellen, an denen sich die Muskeln bewegten, bemerkte Yriiel einen

metallisch irisierenden Glanz. Bei Tageslicht mochte sich ein grandioses Farbspiel aus Bronzegelb bis Schwarzgrün auf dem Körper des Jaotars abzeichnen. Doch jetzt war nur wenig mehr als ein Hauch davon zu erkennen. Gebannt durch den Anblick hatte Yriiel dem nun folgenden Angriff nichts entgegenzusetzen. Er spürte nur noch, wie sich von hinten etwas um seinen Oberkörper legte und zudrückte. 


Skapla

 

Für diese gefährliche Kreatur des Dschungels standen mir Hundertfüßer und

Tausendfüßer zur Seite. Hundertfüßer sind giftig, aber viel zu klein für meine

Welt gewesen. Gleiches gilt für die Größe der Tausendfüßer, obwohl die satte

25cm erreichen können. Mein Mann und ich hatten mal welche. Es sind schicke

Tiere. Inspiriert durch diese beiden Insektenarten entstanden die Skapla. Am

besten ihr erlebt sie mal in Aktion.

 

Band 2 "Die schwarzen Steine"

 

   Was auch immer da vor ihnen geschah, es kam nun genau auf sie zu. Yalsa blieb

stehen, Nairi ebenso und tastete nebenbei nach ihrem Wurfholz am Gürtel.

   »Das gefällt mir nicht«, flüsterte sie. Unmittelbar auf ihre Worte schoss ein

ausgewachsenes Maujak aus dem Dickicht hervor, direkt auf die Späherinnen zu. Vorsicht, Yalsa!«

   Geistesgegenwärtig fasste Nairi nach ihrer Freundin und zog sie zu sich. Das Tier raste an ihnen vorbei und stoppte nach wenigen Schritten. Es sah sich gehetzt in ihre Richtung

um. Seine Schnauze zierten tiefe Kratzspuren. Das angrenzende braune Fell war großflächig mit Blut besudelt. Mehr erkannte Nairi in diesem nur kurz währenden Moment

nicht. Zähnefletschend wirbelte das Maujak herum und wollte wegrennen.

   Leider war es zu langsam. Ein Skapla sprang überraschend aus demselben Gebüsch auf das marderartige Raubtier zu. Das Insekt klammerte sich an seinem auserkorenen

Opfer fest, mit allen Beinpaaren seines mehr als zwei Ellen langen Körpers. Panisches Keifen gellte durch den Dschungel, viel lauter als die Male zuvor. Ein unübersichtliches Kampfgeschehen entbrannte.

   Es ließ sich nicht erkennen, an welchem Ende das Vorderteil des Skaplas begann und

wo das Hinterteil aufhörte. Mit beiden Enden schien sich der mit einem Chitinpanzer geschützte vielbeinige Wurm, der keinen Laut von sich gab, im Fell des Maujaks verbissen zu haben. Er ließ sich nicht abschütteln, egal wie wild sein Opfer umhersprang.

   »Wie ... wie ist das eigentlich ... möglich?«, entfuhr es Nairi ungläubig.

   Staunend verfolgte sie den ungleichen Kampf. Das Geschehen hier war eigentlich undenkbar. Maujaks besaßen feine Nasen und würden niemals zufällig oder gar freiwillig in

das Versteck eines Skaplas stolpern.

   Für gewöhnlich ruhten diese nachtaktiven, giftigen Insekten am Tag. Ihre Behausung,

die sie bevorzugt im Boden anlegten oder unter einem Haufen verrottenden Laubes

und maroden Gehölzes, verließen Skaplas zur Tageszeit nur im äußersten Notfall.

   »Frag mich was Leichteres«, erwiderte Yalsa heiser und trat bereits eilig den Rückzug

an, ohne das Kampfgeschehen aus den Augen zu lassen. »Verschwinden wir von

hier. Schnell.«

   Dem hatte Nairi nichts hinzuzufügen und tat es ihrer Freundin gleich. Sie hegte ebenso wenig das Verlangen, von einem ausgewachsenen, aggressiven Skapla angegriffen zu werden, sobald es sich doch abschütteln ließ. Irgendwie musste es dem Maujak zuvor schon gelungen sein, so wie es aussah. Nach nur wenigen Schritten verstummten allerdings die Schreie. Das stark angeschlagene Raubtier torkelte, schnaufte ein letztes Mal und fiel seitlich zu Boden. Nairis Herz setzte für einen Wimpernschlag aus. Es wurde ruhig. Das Maujak lag reglos da.

   »Halt, bleib stehen«, entschied Yalsa hastig.

   Sofort erstarrten beide mitten in ihrer Bewegung. Um nichts in der Welt wollten sie

das riesige Insekt auf sich aufmerksam machen. Statt Augen besaß es antennenartige Fühler am Kopf, die jede noch so kleine Bewegung in einem Umkreis von mehreren Schritten wahrnahmen. 


Ich hoffe, euch hat der kleine aber feine Einblick in den Schaffungsprozess neuer Lebensformen gefallen. Im nächsten Beitrag befassen wir uns mit den Morag.