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Weltenvorstellung Tag 3: Manori - ein Volk der Rhinag

Nach Ende des Bruderkrieges wurde über die Überlebenden gerichtet. Die Abtrünnigen kamen dabei am besten weg. Aber es waren noch immer Sanmaren und die Befürchtung hielt sich, dass sie in ihre alten Gewohnheiten verfallen würden, sobald sie wieder sich selbst überlassen waren. Also brachte man sie nach Onar, dem abgelegensten Kontinent auf Kataria und Wiege des Lebens. Bis dorthin war der Krieg zwar nicht vorgedrungen, aber die Erschütterungen der magischen Kämpfe waren von den dortigen Drakkaren nicht unbeobachtet geblieben. Sie zu überzeugen, sich der Abtrünnigen anzunehmen, war nicht leicht. Doch schließlich sahen sie darin eine Möglichkeit, einen uralten Fehler wieder gut zu machen. Denn wären sie einst nicht so hart mit ihren andersdenkenden Artgenossen umgegangen, hätte es die Sanmaren vielleicht nie gegeben.

 

Es verging eine sehr lange Zeit, in der die Abtrünnigen viel über das Leben in der

Natur der verschiedenen Klimate lernten, vor allem, wie man sich darin sinnvoll

und nachhaltig einfügt. Irgendwann erachteten die Drakkaren sie als würdig

genug und brachten sie wieder der Magie näher. Nebenbei durchliefen die

Abtrünnigen über viele Generationen hinweg eine körperliche Entwicklung.

Äußerlich passten sie sich vor allem farblich ihrer Umgebung an. Zudem kehrte ihre längst verloren geglaubte magische Begabung zurück. Was sich jedoch nicht

änderte, war der sanmarische Drang nach Macht. Wo Technik und Wissenschaft

fehlten, nahm Magie ihren Platz ein. Dieses Mal führte dieser Fluch innerhalb

der gerade neu erwachten Rasse namens Rhinag zum Zerwürfnis. Die wachsamen Drakkaren schritten zwar noch rechtzeitig ein, aber auch sie konnten die Teilung nicht mehr ungeschehen machen. So gingen aus dem Magiemissbrauch verschiedene rhinagsche Völker hervor. Zu ihnen zählen die Kuarima, Andari und Manori.

 

Letztere fanden im Tiefland des Regenwaldes im Dreieck südlich des Nebelgebirges, westlich vom Calyio und östlich des Nayio eine neue Heimat. Mit starren Regeln zur Anwendung von Magie gelang ihnen das Überleben. In Stämmen organisiert bewohnen sie wahre Baumgiganten, die mittels Magie ein Ausmaß erreichen, um je nach Anzahl mehrere Hundert Manori unterzubringen. Diese Baumstädte sind unterteilt in drei Ebenen, die jeweils eine andere Funktion haben und auf jedem Baumriesen angelegt sind. Die unterste Ebene ist dem Handwerk gewidmet, die mittlere der Gemeinschaft und der Ruhe und die oberste dient der Besprechung und dem Unterricht der Kinder.

 

Trotz dieser imposanten Stadt führen sie ein einfaches Leben, ohne Neid, Missgunst oder rebellisches Verhalten, jedenfalls meistens. Es gibt immer mal jemanden, der aus der Reihe tanzt. Doch anders als die Drakkaren einst, haben sie gelernt, dass es sich lohnt, sich damit auseinanderzusetzen, ehe man etwas

Unwiderrufliches in die Wege leitet. Normalerweise passiert das aber nicht.

Jeder Manori ist mit allem versorgt, was er braucht. Es gibt kein Geld, kein

kapitalistisches System, kein reines Ich-zuerst-Denken. Wenn etwas benötigt

wird, wird es beschafft und miteinander geteilt. Im Gegenzug stellt jeder

Manori ab Erreichen der Reife sein Können und seine Fähigkeiten seinem Stamm zur Verfügung. Jede Tätigkeit ist wichtig und wird geschätzt. Alles andere

könnte die Sicherheit, in der sie leben, schnell zunichtemachen, denn der

Dschungel ist ein gefährlicher Ort. Hier gilt ­ wie überall in der Natur ­ eine sehr einfache Regel: Der Stärkere überlebt, oder anders gesagt, wer sich nicht

anpasst, geht unter.

 

Neben dem täglichen Ernst geben sich die Manori aber auch gelegentlichen Ritualfeiern hin und achten auf ihr Äußeres, gut, die einen mehr die anderen weniger. Sie verzieren ihre Körper mit sog. Glimmerfäden, einer Pilzart im Dschungel die in allen Regenbogenfarben vorkommt. Schamanen ­ die als einzige Magie anwenden dürfen ­ sorgen für eine symbiotische Verwachsung zwischen Pilz und Träger. Es ist das manorische Pendant für Tätowierungen ­ jeder so, wie er eben mag. 

 

Daneben gibt es noch symbiotische Verwachsungen, die nicht der schnöden Verschönerung dienen. Krieger der Manori haben hier die Wahl zwischen einer Gift- oder Dornenranke. Sie wird ein Leben lang an den Armen und dem Oberkörper getragen. Je nach Wahl stärkt die Ranke ihren Träger im Kampf auf die eine oder andere Weise.

 

Es gibt noch eine dauerhafte Eigenschaft, die mit der Bezeichnung „silbernes Auge“ einhergeht. Der Silberfaden ist ein Glimmerpilz, wie oben schon erwähnt.

Verwachsen mit dem Sehnerv eines Auges erhöht sich so die Nachtsicht des

Trägers ungemein, macht ihn im Gegenzug jedoch empfindlicher bei direktem

Sonnenlicht. Vorwiegend nutzen Späher diese Art von symbiotischer Verwachsung, die aber alles andere als schmerzfrei verläuft. 

Schlusswort

Die Manori sind das Volk, welches in meinen Romanen eine Hauptrolle spielt. Aus ihrer Sicht erlebt der Leser, wie das Böse dieses Mal die Hand nach Onar

ausstreckt. Allerdings ist ein Teil des Wissens um die Geschehnisse des

Bruderkrieges in Vergessenheit geraten. Auch haben die Ahnen der Manori nicht

alles mehr mitbekommen, nachdem sie nach Onar gebracht worden waren. Die Morag, Nasren, Nasrime – andere Nachfahren der Sanmaren –sind ihnen komplett unbekannt. Auch von den Xaovoun wissen sie nichts mehr. Die Drakkaren sorgten aus Angst um neuerliche Machtstreitigkeiten dafür, dass ihnen das Wissen um diese schrecklichen Wesen versagt blieb.

 

Wer jetzt noch mehr über die Kultur und Gesellschaftsstruktur lesen möchte, schaut einmal hier vorbei: https://www.rike-moor.de/2016/08/09/manori/

Im nächsten Beitrag unterbreche ich die Vorstellung neuer Völker für die Erläuterung einiger Eigenkreationen der Pflanzen- und Tierwelt. Mit dabei ist auf jeden Fall der Jaotar, der in Band 1 eine wichtige Rolle spielt. Ich finde die Unterbrechung passt an dieser Stelle, da wir noch im Dschungel bei den Manori sind.

 

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