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Weltenvorstellung Tag 2: Sanmaren - Geisel Katarias

Um zu verstehen, wieso es innerhalb der Drakkaren zu einem gesellschaftlichen Bruch kam, muss man wissen, dass sie nach sehr strengen Regeln gelebt haben und noch immer leben. Vor ihrem Schlupf – ja sie werden ausgebrütet – steht nicht nur ihr Geschlecht anhand von Umwelteinflüssen fest (Reptilienfreunde werden

den Temperatureinfluss kennen), sondern auch ihre spätere Position in der Gesellschaft. Gemäß dem Götterglauben, der weiblich orientiert ist, haben die Frauen bei den Drakkaren das Sagen. Sie verkörpern Scheeseechas weltliche Präsenz. Die Oberste eines jeden Familienverbandes besitzt das alleinige Anrecht auf Nachwuchs und erwählt sich unter den stärksten Männern einen Gefährten für eine gewisse Zeit. Alle anderen Positionen innerhalb der drakkarischen Gesellschaft werden Männern und Frauen nach strikten Regeln zugeteilt. Abweichungen werden nicht toleriert. Einen Machtwechsel gibt es vorrangig unter den Frauen – von friedlich bis aggressiv ist alles dabei.

 

Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich jedoch etwas. Der Wunsch, die Grenzen der eigenen Existenz zu erweitern, lebte auf. Nicht selten kollidierten manche Ansichten mit den alten Regeln der drakkarischen Kultur. Hierbei wurde nicht lange gefackelt. Wer nicht spurte, musste gehen und alleine überleben. Je mehr Drakkaren verbannt wurden, umso häufiger schlossen sie sich zusammen, gründete andere Familienverbände und suchten sich neuen Lebensraum. Ihr Drang nach Wissen und handwerklichen Errungenschaften war geweckt.

 

Es sollte aber noch viele Jahrhunderte dauern, bis sie die Tropen und Subtropen

hinter sich lassen konnten. Sie passten sich anfangs durch Hilfsmittel, später

dann durch biologische Veränderungen, die von selbst eintrat, ihrem neuen

Umfeld an. Magie, Glaube und alte Familienstrukturen legten sie ab, viel zu

verhasst waren ihnen diese gesellschaftlichen Fesseln. Stattdessen

hinterfragten sie alles, stellten eigene Regeln auf und waren gegenüber allem

anderen sehr unnachgiebig, so wie man zu ihnen war.

 

Die Nachfahren der ausgestoßenen Drakkaren nannten sich irgendwann Sanmaren, die sich auf den Kontinenten Askis und Anmir niederließen, große Landmassen, die auf beiden Halbkugeln Katarias in Richtung der Polkappen liegen. Lebensraum war genug da, aber es gab Konkurrenz. Andere Völker gleichsam primitiv und humanoid, nicht zu vergleichen mit den ausgestorbenen Draks, hatten sich überall auf Kataria aus den hundeartigen- und katzenartigen Lebensformen entwickelt. Auf Askis und Anmir wurde ihre Entwicklung im selben Maße behindert, wie die Sanmaren ihre Gesellschaft zu einer wahren Hochkultur erhoben. Geprägt durch Wissenschaft und Technik, fühlten sie sich als Krönung der Schöpfung.

 

Vielleicht waren sie das auf ihre Weise auch, aber sie verhielten sich rücksichtslos und aggressiv gegenüber alles und jeden. Sie begannen damit, jeden Lebensraum zu beanspruchen und drangen irgendwann sogar wieder in die äquatorialen Bereiche Katarias vor. Diesem Vorstoß folgte ein Jahrzehnte langer und erbitterter Bruderkrieg zwischen Sanmaren und Drakkaren, der die Welt an den Rand der Zerstörung bringen sollte, aber anders als ihr jetzt vielleicht glaubt zu wissen. Denn der Krieg brachte die Voun zurück oder besser gesagt, das was aus ihnen nach all der Zeit geworden war.