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Weltenvorstellung Tag 1: Scheeseecha und die Voun

 

Alles hat einen Anfang. In meinem Fall ist das eine Gottheit, nichts Überraschendes wie ich denke. Vielen Fantasywelten ist das Prinzip von Gottheiten gemein. Lehnt euch zurück und lest in Ruhe, was das für diese Welt bedeutet. 

 

Körperlos und reine Energie, die als silberblaues Licht in Erscheinung tritt und jede Form annehmen kann, das ist Scheeseecha. Als ein allmächtiges Wesen ist sie dazu fähig, ganze Welten zu erschaffen und zu zerstören. Wieso sie Kataria

erschaffen hat, darüber kann ich nur mutmaßen. Gottheiten sind eigen.

Allerdings kann ich euch verraten, dass sie dafür Magie benutzt hat und die

wird gespeist aus ihrer eigenen Energie. Durch den Schöpfungsakt sind Scheeseecha und Kataria untrennbar miteinander verbunden. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen, der Planet ist ihre Hülle und sie die Seele. So dürfte es kaum verwunderlich sein, dass Kataria durchdrungen ist von magischer Energie.

 

Damit hätte ja nun alles gut sein können, doch allmächtig bedeutet nicht unfehlbar, auch Gottheiten können sich übernehmen. Aufgrund der Verbindung zur Schöpfung ist Scheeseecha nun ein wenig abhängig von ihrer Hülle geworden und so ein Planet ist auch für sie keine Kleinigkeit mehr, zumal da allerhand Leben kreucht und fleucht, das eigenen Regeln unterworfen ist. Die Rede ist vom Kreislauf von Leben und Tod. Wenn immer nur geschaffen wird – und diese Fähigkeit hat auch das geringste Leben dieser Welt – ist der Planet nämlich irgendwann voll. Also hat alles seine Zeit, ehe es vergeht und der Kreislauf von neuem beginnt.

 

Um Kataria und damit sich selbst im Gleichgewicht zu halten, erschuf Scheeseecha aus ihrer magischen Präsenz die Voun, Wesen, die ihr ähnlich waren und zahlreich, aber weitaus schwächer. Sie sollten ihr helfen einzugreifen, sollte das Gleichgewicht aus dem Lot geraten. Aber ihr wisst ja, wie es dem

Zauberlehrling ergangen ist, der die Geister rief, um seine Arbeit zu verrichten. Nun, sagen wir mal, Kataria ist etwas Ähnliches widerfahren.  

 

Nach einer Weile verhielt es sich nach dem Spruch „Zu viele Köche verderben den Brei“. Scheeseecha gönnte sich irgendwann eine Ruhephase, als sie meinte, die Voun hätten alles im Griff. Sie vertraute ihnen ihre Schöpfung an und damit

auch sich selbst. Leider rechnete sie nicht mit deren Ehrgeiz. Sie wetteiferten

irgendwann miteinander, um herauszufinden, welcher Teil des Kreislaufes von

Leben und Tod mehr wert ist. Denn sie waren von Scheeseecha in zwei Gruppen

aufgeteilt worden.

 

Die einen wachten über das Schaffen und das Leben, die anderen über die

Vergänglichkeit und den Tod. Da die Voun ähnlich wie Scheeseecha nahezu

unsterblich sind und ein Jahr nicht mehr als ein Wimpernschlag ihrer Existenz

ist, dauerte der Wettstreit sehr lange an. In dieser Zeit wurde Kataria erschüttert vom Untergang ganzer Spezies und der Schaffung neuer. Ich muss hoffentlich nicht erwähnen, dass das fragile Gleichgewicht zwischen Leben und Tod damit hinfällig war, oder? Irgendwann bemerkte Scheeseecha diese Missordnung

und griff ein.

 

Sie erschien auf dem ersten Land, das sie geschaffen hatte. Heute trägt der

Kontinent den Namen Onar und wird nicht nur von den dort lebenden Völkern als

Wiege des Lebens bezeichnet. Denn dort nahm alles seinen Anfang. Scheeseecha befahl die Voun zu sich auf den höchsten Berg. Die Gipfel dieses Berges waren kühl und mit Schnee bedeckt, obwohl sie mitten in den Tropen lagen. Zur Rechenschaft gezogen zeigten nur wenige Voun Einsicht. Die größte Sturheit legte jedoch die Gruppe der Voun an den Tag, die für die Vergänglichkeit

verantwortlich war und zahlreiches Leben ausgelöscht hatte. Damit das zerrüttete

Gleichgewicht wieder hergestellt werden konnte, beschloss Scheeseecha die

Verbannung der Voun. Sie schuf dazu zwei Orte, die Lichtlande und das

Schattenreich, denn vernichten konnte und wollte sie ihre Helfer nicht. Auch

sie gehörten zur Schöpfung, sie waren ein Teil von ihr.

 

Natürlich blieb das nicht ohne Folgen. Dem Akt der Verbannung ging ein magischer Kampf voraus. Wer lässt sich schon gerne verbannen? Der große Berg auf Onar – auf dem sich Scheeseecha und die Voun eingefunden hatten – verlor seine Spitze und erfuhr eine Erschütterung bis in unendliche Tiefen. Eis und Schnee wichen Feuer und Lava. Ein riesiger Vulkan war geboren, der einige Zeit später in einer großen Explosion den Kontinent Onar zweiteilte und im Meer versank. Die Überreste sind heute als Murnu-Atoll bekannt. Seit dieser Zeit hat niemand mehr Scheeseecha gesehen oder von ihr gehört und auch die Voun blieben lange Zeit verschwunden, aber kehrten durch unterschiedliche Ereignisse wieder zurück.

 

Doch bis es so weit war, vergingen einige Jahrhunderte. Was in dieser Zeit passierte, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.