CharakterofSeptember2018-Challenge Tag 15

 

  Es sind einige Tage vergangen, seit ich Nairi und Yriiel zuletzt aufgesucht habe. Mein Alltag hält mich in letzter Zeit sehr in Atem und so komme ich nach einer freundlichen Begrüßung schnell zum Punkt.

 

Wart ihr gut in der Schule?

   »Gut?«, ergeht an mich die Gegenfrage von Nairi und Yriiel gleichzeitig.

Beide schauen mich fragend an und so erkläre ich ihnen, was Schule bei den Menschen bedeutet und wie wichtig es ist, gut in der Schule zu sein, weil dadurch das weitere Leben maßgeblich beeinflusst wird. Daraufhin schütteln beide nur verständnislos mit dem Kopf. 

  »Es gibt bei den Manori nicht wirklich ein Gut oder Schlecht und auch keine Noten«, erzählt Nairi, »besonders nicht in dem Alter, wenn wir zur Schule gehen. Als Kinder lernen wir nicht nur schreiben, lesen und rechnen, sondern auch unsere Geschichte, Sprache, Kultur, die Regeln des Zusammenlebens und die der Natur, in der wir leben. Es ist normal, dass es Wissen gibt, das leichter zu erlernen ist als anderes. Deswegen ist aber niemand gut oder schlecht. Wir sind unterschiedlich und Unterschiede ergänzen sich.«

  »Und welche Aufgabe wir irgendwann übernehmen hängt mehr von unseren Fähigkeiten und Interessen ab“, mischt sich Yriiel ein. „Beides muss zusammenpassen und wird durch das Wissen in der Schule ergänzt …«

 

  Geduldig höre ich Yriiel und Nairi zu, wie beide abwechselnd über das Schulsystem der Manori berichten, und gerate darüber nicht zum ersten Mal ins Grübeln. Eigentlich ist es sehr gut durchdacht. Jedes Kind bekommt dieselbe Voraussetzung für das weitere Leben im Stamm. Sie werden geleitet. Es wird kein Druck ausgeübt und später, wenn sie halbwüchsig sind, orientieren sie sich gemäß ihrer Fähigkeiten und Interessen, wie Yriiel sagte. Nicht immer passt die eigene Wahl oder der Einzelne ist für mehr als eine Aufgabe im Stamm geeignet. Dann gibt es verschiedene Hilfestellungen, um die individuell richtige Beschäftigung innerhalb der Gemeinschaft zu finden. Denn das ist eine sehr wichtige Regel des Zusammenlebens bei den Manori. Jeder unterstützt den Stamm mit dem, was er oder sie am besten kann. Das sichert das Überleben und wird nicht einzeln gewertet, damit kein Neid aufkommt. So entsteht der Respekt für die unterschiedlichen Aufgaben im Stamm. Ich erinnere mich, dass Yriiel darauf schon in einer früheren Frage geantwortet hat, und erkenne die Verknüpfung dahinter jetzt klar und deutlich.

 

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