Links und Rechts

Zwei Worte die es derzeit in sich haben. Gemeint sind nicht unsere Hände, sondern viel mehr das pauschalisierte Einordnen gewisser Ideologien. Man könnte auch sagen: „Bist du nicht für uns, bist du gegen uns“. Dieses Schema schlägt offenbar immer größere Wellen, egal wohin ich schaue. Und schuld ist dieser vermaledeite Rechtsdruck, den Deutschland seit geraumer Zeit sehr stark und immer stärker werdend erlebt. Dieses Rechts ist sogar so stark, dass es sehr vielen in unserem Land vermutlich die klare Sicht nimmt. Es wird nicht mehr unterschieden, nicht mehr nach den großen W’s gefragt. 

 

Alles, was wahrgenommen wird, sind die Ergebnisse von - ja von was eigentlich?

 

Das ist eine interessante Frage, meint ihr nicht auch? Ebenso sollte man die Frage stellen, welche Ergebnisse sind überhaupt gemeint. Und somit sind wir dabei, eine Tür aufzustoßen, die ins Backend führt, einem Bereich, der sich im Verborgenen abspielt und wo nicht jeder hingelangt – aus den unterschiedlichsten Gründen.

In unserem Fall sind es z. B. diese Gründe:

·         Nicht hinsehen

·         Nicht überlegen

·         Nicht hinterfragen

Das Rechts, was wir derzeit erleben ist klar begründet in der Ausländerfeindlichkeit, was auch sonst. Das Feindbild heißt Flüchtling und Ausländer. Das ist das Ergebnis, das nicht nur wahrgenommen wird, sondern es entstand systematisch. Und damit wären wir bei Frage Numero Uno, die Frage nach der Ursache!

 

Die ersten voreiligen Zwischenrufe werden sicher etwas mit kriminell und Ausländerpack zu tun haben. Das ist ein wenig kurzsichtig gedacht für meinen Geschmack. Ein Feindbild wird nur erschaffen, wenn zuvor für eine lange Zeit Dinge im Argen gelegen haben. Drehen wir doch die Zeit zurück und betrachten die soziale und politische Entwicklung in unserem Land. Besonders einschneidend wurde die Entwicklung doch mit Einführung der Hartz IV Reformen. Unmut entstand auf vielen Seiten der Bevölkerung durch Arbeitslosigkeit, niedrige Löhne und dem Gefühl der Ungleichbehandlung (die erfolgte übrigens in sehr viel mehr Bereichen). Bereits hier wurde stigmatisiert. Wer das über viele Jahre mitmacht, wird irgendwann vor der Wahl stehen. Weiter aushalten oder zum Protest aufstehen.

 

Das Rechts von heute ist der Protest. Da erzähle ich wohl niemand mehr etwas Neues. Das Wort Protestwähler ist vielen ein Begriff. Und um vorweg mal eins klarzustellen, ich nehme diese Protestwähler, die dem rechten Flügel angehören keinesfalls in Schutz. Ich lege nur einmal einige Karten offen auf den Tisch. Denn ihre Reaktion ist auf das politische Prozedere der letzten Jahrzehnte zurückzuführen und genau da liegt das eigentliche Problem, die Ursache. Es sind nicht die Flüchtlinge und Ausländer, die sind nur ein Puzzlestück in einem fürchterlich aussehenden Gesamtbild.

 

Damit möchte ich nun auch nicht pauschal jeden Nicht-Deutschen in Schutz nehmen. Unter ihnen gibt es genauso schwarze Schafe wie unter den Deutschen. Ich kenne kein Volk, das frei von Kriminalität ist. Aber durch all den Hohn der letzten Jahre von so vielen Seiten der Politik dem normalen Bürger gegenüber ist das Nervenkostüm dünner und dünner geworden. Abgesehen davon werden in Deutschland Täter oftmals viel zu lasch behandelt. Verstärkt werden die persönlichen Empfindungen dann auch noch durch die Medien, die mit den Gefühlen und der Gesinnung jedes Einzelnen von uns spielen, unabhängig davon ob etwas wahr oder gefaked ist.

 

Ein Schmelztiegel ist entstanden, einer, der nicht zu unterschätzen sein sollte. So lange dieser befeuert wird, ist die Gefahr einer Eskalation enorm groß. Doch was tun? Wie wäre es mit der Beseitigung der Missstände, die in der Ursache begründet liegen? Schaut euch doch bitte mal die aktuell veröffentlichte Rentenreform von Seiten der SPD an. Wir haben sehr viele Geringverdiener in unserem Land. Wir haben ein sehr großes Problem mit der Arbeitslosigkeit und mit der Rente. Die Grundsicherung orientiert sich am Existenzminimum, das jeder mit Hartz IV assoziiert und welches bereits vom Bundesverfassungsgericht als zu gering abgeurteilt worden ist. Bis 2025 sollen Geringverdiener nicht unter 48% ihres durchschnittlichen Monatsgehaltes bzw. Nettolohnes rutschen. Das ist die unterste Grenze. Rechnet doch einmal selber nach. Das wird später in eurer Rente Hartz IV Niveau sein. Wie wird sich das mit der Wohnsituation vertragen. Ein Ende der Wohnungsnot – ein weiteres Problem in Deutschland - ist hierzulande auch nicht in Sicht. Lohntechnisch tut sich übelst wenig, wenn überhaupt.

 

Das alles und noch mehr entstammt unserer politischen Mitte, wie manche so gerne sagen. Da ist ein einziges Trauerspiel. Doch wehe man wagt es, sich gegen die Mitte zu stellen und will nicht rechts sein. Dann bleibt nur noch links übrig. Allerdings tue ich mich schwer damit, mich selbst so zu pauschalisieren. Ich bin mit Werten aufgewachsen, die für meine Zeit als sozial galten. Rede ich heute darüber, muss ich mir vorwerfen lassen, links zu sein. Das ist als würde man mir meinen Kopf abreißen und andersherum wieder auf den Hals setzen. Ich weiß schon, warum ich keiner Partei angehöre. Es gibt in Deutschland keine, hinter deren Konzept ich voll und ganz stehen würde. Die letzten Wahlen waren schmerzhaft für mich und meine inneren Werte. Auch ich bin tief enttäuscht von unserer Politik. Aber ich achte meine Werte, sie sind ein Teil von mir. Ich verabscheue menschenfeindliches Verhalten und Ungerechtigkeit.

 

Und was bleibt am Ende übrig?

Die Frage wird sich jeder selbst beantworten müssen, egal um welche Eckpfeiler eures Handelns und Denkens es sich dreht. Ich kann nur raten, sich nicht blindlings von einer politischen Strömung mitreißen zu lassen. Hinterfragt, denkt nach. In Deutschland schwelt eine Krankheit, deren Symptome man nur schwerlich bekämpfen kann. Wenn die Ursache nicht behoben wird, wird diese Krankheit nicht zur Heilung und damit nicht zur Besserung führen. Dennoch ist eine Mischung aus Symptom- und Behandlung der Ursache noch das beste, erfolgversprechenste Mittel.

 

Ich hoffe, ich konnte einigen mit meinem etwas lang geratenen Text über das, was mir derzeit so Bauchschmerzen bereitet, erreichen und zum Nachdenken anregen.

 

Eure Rike

 

 

Nachtrag:

Dieser Beitrag soll einen Anriss einer Reflexion der aktuellen Situation darstellen und keine Verharmlosung. Mein Augenmerk lag hierbei auf den Protestwählern und dem Nährboden auf dem sie wandeln.

 

Ich habe gelernt, dass man Probleme nur erfolgreich angehen kann, wenn man weiß, wie sie entstanden sind. Dabei hilft es ungemein, wenn man versucht, seine Gefühle nicht mit einfließen zu lassen und alles nüchtern betrachtet. Ich hoffe, mir ist das weitestgehend gelungen.

 

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