Das Abstellgleis der Gesellschaft

 

Das Gefühl, gebraucht zu werden, ist menschlich. Das Verhalten der Gesellschaft, den Wert eines Menschen an seiner Arbeit zu bemessen, ist dagegen unmenschlich, vor allem, da nicht jede Tätigkeit als Arbeit anerkannt wird.

Was ist Arbeit?

Jede Tätigkeit die Geld einbringt.

 

So sieht es die Gesellschaft. Aber wer mal genauer darüber nachdenkt, wird feststellen, das ist nur die halbe Wahrheit. Arbeit ist die Mühe einer zu vollbringenden Handlung. 

Dazu zählen auch Haushalt, Kindererziehung durch die Eltern u.v.m. Das vergessen die meisten Menschen nur zu gerne. Als Hausfrau/-mann gibt es hierfür so gut wie nie Anerkennung. Man gilt sogar als arbeitslos. Dabei steckt hinter all den täglichen Handlungen sehr viel Mühe.

Wir haben es hier mit einer sehr kurzsichtigen und hirnrissigen Denkweise unserer Gesellschaft zu tun.

Mit dieser Denkweise sind auch Menschen in unserer Mitte konfrontiert, die aufgrund gesundheitlicher Defizite die von der Gesellschaft aufgestellten Hürden des erwerblichen Daseins nicht mehr nehmen können. (Sie werden also nicht mehr gebraucht.) Ihr Körper und/oder ihre Psyche macht das aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr mit, evtl. sogar auf Dauer. Es heißt dann mehr oder weniger, Friss oder stirb!

 Beliebte Sprüche gegenüber Betroffenen sind:

·         Du musst lernen den Druck auszuhalten.

·         Stell dich nicht so an.

·         Du liegst anderen nur auf der Tasche.

·         Bemüh dich halt mehr um Arbeit. Du tust zu wenig.

·         Andere müssen das auch schaffen, also reiß dich zusammen.

Es gäbe noch weit mehr Beispiele. Sie alle haben eines gemeinsam. Sie werten den Betroffenen ab und geben ihm das Gefühl der Unzulänglichkeit. Das ist alles andere als hilfreich. Wie in dem Artikel "Langzeitarbeitslos: Wenn dich niemand braucht..." beschrieben ist, kann selbst ein Mensch mit Einschränkungen einen Beruf ausüben, zwar nicht mehr voll einsatzfähig, aber innerhalb seiner Möglichkeiten. Dazu müssen aber die Arbeitsumstände stimmen. Das ist 99% der Arbeitgeber zu viel Aufwand. Sie sehen nur mit wirtschaftlichen Augen. Denn Aufwand bedeutet im Betrieb nichts anderes als Kosten und das mindert den Gewinn. 

 

Dabei kann ich es nicht oft genug betonen, wenn mich jemand fragt. Ein motivierter und geschätzter Arbeitnehmer wird seinem Unternehmen treue Dienste leisten und ist viel mehr wert als es sich so mancher Arbeitgeber träumen lässt. Es lohnt sich, auf die eigenen Angestellten Rücksicht zu nehmen, auf sie einzugehen und ihnen die nötige Hilfestellung zu geben. Leider ist es leichter und kostengünstiger, die Leute auszutauschen, als wären sie Ersatzteile eines defekten Geräts.

Gleichwohl wird von gesundheitlich angeschlagenen Menschen verlangt, sich selbst ernähren zu können. Das geht nur mit Arbeit, sei es als kleiner Hinzuverdienst neben einer sozialen Stütze - die reicht vielen Betroffenen nämlich nicht zur menschenwürdigen Existenz - oder hin bis zu einer Vollzeitbeschäftigung. Ich kenne persönlich Betroffene, die das aufgrund gesetzlicher und auch gesundheitlicher Hürden nicht so einfach realisieren können. Sie müssen zum Teil genau kalkulieren, ob sie eine bezahlte Stelle annehmen oder es bleiben lassen. Oft genug stehen sie mit einem Zuverdienst finanziell schlechter da und riskieren zusätzlich eine Verschlechterung der eigenen Gesundheit. 

Es kann nicht Ziel beider Seiten sein, die Gesundheit auszubeuten bzw. ausbeuten zu lassen. Ist die eigene Gesundheit nämlich erst einmal angeschlagen oder gar ganz weg, dann steht man vor einem weiteren Problem. In Deutschland existiert zwar ein Gesundheitssystem. Doch wir alles wissen aus den Medien, aus eigener Erfahrung, wo die Grenzen sind und wie schwer es ist, in einem angeschlagenen Zustand seine Rechte einzufordern, unwissend darüber, was es einem noch bringt.

Bitte denkt selbst mal darüber nach und lasst für einen Augenblick die Vorurteile außen vor, dass es Menschen gibt, die das System – egal welches – ausnutzen und schmarotzen. Das ist bei Weitem nicht die Mehrheit der Betroffenen. Und an diese Art der Minderheit sollte sich kein Maßstab etablieren.

Eure Rike 

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