Wo steht das Impressum?!

 

Ich brauche hoffentlich niemandem mehr zu erzählen, dass es in Deutschland eine Impressumspflicht gibt. Es ist gesetzlich verankert und wird durch §5 des Telemediengesetzes geregelt. (https://www.gesetze-im-internet.de/tmg/__5.html)

Allerdings ist vielen unklar, wo es zu stehen hat, z. B. in einem Buch. Leider kursiert immer noch die Behauptung, das Impressum habe in Büchern auf einer der ersten Seiten zu stehen.

Immer wieder werden Selfpublisher mit dieser Aussage verunsichert, ganz besonders dann, wenn sie sich in den Augen bestimmter Personen erdreisten, ihr Impressum ans Ende des Buches zu stellen. Erst vor kurzem las ich genau so einen Fall wieder bei Facebook mit der Frage, was denn richtig wäre.

Die Behauptung, "vorne ist einzig richtig", ist purer Blödsinn!

Es ist nirgendwo gesetzlich geregelt, an welcher Stelle eines Buches das Impressum zu stehen hat. Der erste Satz von §5 des Telemediengesetzes lautet:

 

(1) Diensteanbieter haben für geschäftsmäßige, in der Regel gegen Entgelt angebotene Telemedien folgende Informationen leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar zu halten:

Die wichtigen Informationen habe ich in fett und kursiv formatiert. Arbeiten wir doch einmal die einzelnen Anforderungen an das Impressum ab.

·         leicht erkennbar: Der Aufbau und Inhalt eines Impressums ist zu wahren, Standardwissen eines Autors.

·         ständig erreichbar: Es hat immer da zu sein, ergo jedes meiner Bücher braucht eines. 

·         unmittelbar erreichbar: Es muss leicht zu finden sein.

Ich habe gemäß meiner Beweisführung die drei Punkte in der Abfolge aus dem Gesetzestext leicht abgeändert. Punkt 3 behandelt das Auffinden des Impressums und damit indirekt den Ort in einem Buch. Indirekt deswegen, weil da nicht explizit steht, das Impressum habe vorne im Buch zu stehen. Das ist so nicht vorgeschrieben. Es muss nur leicht zugänglich sein und das ist der Fall, wenn es vorne oder hinten im Buch steht. Beide Positionen sind extrem leicht zu erreichen. Beide Varianten sind also gesetzesskonform und erlauben somit dem Selfpublisher es an eine dieser Stellen zu setzen.

Es gibt lediglich einen Streitpunkt, nämlich die Erwartungshaltung des Lesers. Doch das ist schlicht und ergreifend auf die Einbürgerung des Impressums - durch das Verlagswesen - auf einer der ersten Seiten in einem Buch zurückzuführen.

Die Geschichte des Impressums

Es ist schon sehr alt. Seit Beginn des Buchdrucks war das Impressum in Büchern/Drucksachen nicht viel mehr als eine Fußnote. Das änderte sich mit dem Jahr 1521. Die Universitätsdruckerei von Cambridge, England, druckte ein Buch mit dem ersten Impressum. 

 

An dieser Vorgehensweise sollten sich in Zukunft andere Druckereien orientieren und wurden verpflichtet, in ihre Drucksachen einen ebensolchen Vermerk zu setzen. Die Umsetzung war lückenhaft und wurde zunächst nicht unbedingt ernsthaft verfolgt. Die größte Ausnahme hierzu bildeten die sogenannten skandalösen Bücher. Bei ihnen fehlte entweder regelmäßig das Impressum oder es wurde ein fiktives Impressum eingesetzt. Letzteres ist der Ursprung unserer heißgeliebten Pseudonyme und gleichzeitig der Wegbereiter der ersten Raubkopien. Ihr versteht wieso, oder?

Im Laufe der Zeit, und wohl auch durch das Zutun dieser räuberischen Akte, büßte die Verpflichtung zur Angabe eines Impressums seinen Status ein und wurde mit dem ersten Gesetz vom 7. Mai 1874 zu einer Verbindlichkeit. Dieses Gesetz ging als Reichspressegesetz (https://de.wikipedia.org/wiki/Reichspressegesetz) in die Geschichte ein und mündete bis heute in unserem Telemediengesetz.

 

Jedes bis heute existierende Gesetz zur Impressumspflicht hatte eine Konstante. Es gab nie eine Vorschrift für die Platzierung des Impressums. Ein Auszug aus meiner Quelle (https://de.wikipedia.org/wiki/Impressum) macht das noch einmal sehr deutlich.

Zitat:

Bei manchen Büchern befindet sich die Impressumsseite aus ästhetischen Gründen auf einer der letzten Seiten, denn ISBN, Druckvermerke und urheberrechtliche Aspekte bieten wenig Potential für einen Gestalter. In anderen Büchern wiederum ist das Impressum aufgeteilt, so dass vorne die wichtigsten Informationen, andere, weniger maßgebliche Informationen aber auf der zweitletzten Seite des Buches zu finden sind. Dies liegt an der Entscheidung des Buchgestalters oder Typgrafen.

 

Damit mir jetzt niemand kommt mit, Wikipedia sei keine vertrauenswürdige Seite, habe ich ein paar Fotos (zum vergrößern, draufklicken) zu Büchern gemacht, die das Impressum nicht nur hinten im Buch stehen haben, sondern auch in meinem Regal zu finden sind.

 

Wer das nachprüfen möchte, dem sollen nachstehende Buchangaben eine Hilfe sein.

·         Das geniale Sockenbuch, frechverlag GmbH, 2005 ISBN 3-7724-6550-1

·         So SCOODIE, frechverlag, GmbH 2014, ISBN 978-3-7724-6375-4

·         Kuchen im Glas, GRÄFE und UNZER Verlag, 2009, ISBN 978-3-8338-0660-5

·         Noch mehr Rezepte unter 1,50€, GRÄFE und UNZER Verlag, 2009, ISBN 3-7742-6892-4

·         Perlentiere aus aller Welt, Christophorus-Verlag GmbH, 2003, ISBN 3-419-56422-8 

Zum Abschluss möchte ich nur noch sagen, dass Sachbücher vermutlich öfters von dieser Art der Positionierung des Impressums betroffen sind als die Belletristik, es aber keine gesetzliche Grundlage dafür gibt.

In dem Sinne verabschiede ich mich aus dem geschichtlichen und gesetzlichen Exkurs zur Impressumspflicht und überlasse euch die Entscheidung, wo es in einem Buch zu stehen hat.

Eure Rike

(Bildquellen bei Fremdmaterial: pixabay.com)

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Anmerkung:

Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung im juristischen Sinne dar.

Allerdings wird hier die aktuelle Gesetzeslage im dt. Recht zum

Thema Impressum dargelegt (Stand 19.05.2018).