Bildbearbeitung mit GIMP Teil 1

Bei diesem Titel werden die meisten unter euch bestimmt erleichtert aufatmen. Keine dröge Theorie! Stimmt, zumindest nicht gleich zu Anfang. Ich kann euch leider nicht komplett damit verschonen, verspreche jedoch, mit so wenig wie nötig daherzukommen. Unser heutiger Theorieteil befindet sich am Ende der praktischen Arbeit und umfasst die Überprüfung der Drucktauglichkeit unserer Arbeiten und wie man das bei fremdem Bildmaterial herausbekommt.

 

Vorwort!

Wie ihr aus den Einführungstutorials wisst, gilt mein Hauptaugenmerk der Veröffentlichung mittels Print- und Digitalmedien, sprich Bücher/Flyer und Webseiten/Blogs. Steigen wir also bei Letzterem ein. In Zeiten von Facebook, Instagram und Co. bieten sich selbstgemachte Schnappschüsse zum Publizieren geradezu an. Wer Glück hat besitzt eine Filterfunktion z. B. in der genutzten App, um das Foto etwas aufzuwerten. 

 

Nur, nicht immer ist etwas Passendes dabei oder ihr wollt das Bild auf Facebook, eurem Blog oder Twitter oder sonst einem SozialMedia Kanal teilen, seid aber mit der Qualität insgesamt nicht ganz zufrieden oder wollt noch mehr herausholen. Genau an diesem Punkt setzen wir an. Zur Veranschaulichung nehme ich eines meiner kürzlich gemachten Wolkenbilder mit dem Lenovo K9 (Smartphone). Das Gewitter von neulich war sehr inspirierend. (Ich gehe mal davon aus, dass ihr wisst, wie ihr eure Fotos auf euren PC bekommt. Daher folgt hierzu keine Erklärung, ebenso wenig wie für die Handgriffe, die ich bereits in den Einführungstutorials erwähnt habe. Zur Not schaut dort noch einmal nach.)

Wie man sieht, ist das Bild mehr oder weniger unscheinbar Grau. Es spiegelt nur einen Teil des Feelings wider, welches ich beim Anblick der heraufgezogenen Gewitterfront hatte. Also helfe ich mal eben ein wenig nach. Doch zuerst speichern wir uns diese Arbeit als xcf-Format und dublizieren die Bildebene. 


 

 

Vom Original sollte in einer Arbeit immer ein Backup existieren. Es ist unser Sicherheitsanker für alle Fälle. Zusätzlich solltet ihr eure Ebenen aussagekräftig benennen.

 

Aufwerten der Bildqualität!

Meine ersten Handgriffe gelten meist der Qualität des Bildes. Die Stellschrauben dafür befinden sich im Menü unter „Farben“. Interessante Auswahl, findet ihr nicht? 

Ein guter erster Schritt ist die Funktion „Werte“. Nach Anklicken öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem wir unsere Einstellungen vornehmen werden. Achtet darauf, dass unten links ein Häckchen bei „Vorschau“ gesetzt ist. 


So könnt ihr die Veränderung in Echtzeit verfolgen. Wir beginnen bei den Pfeilen für die Quellwerte. Ihr seht vermutlich mehr oder weniger eine ähnliche Darstellung wie ich in meinem Fenster. Den mittleren Pfeil ignorieren wir und schieben nacheinander nur die beiden äußeren Pfeile etwas mehr zum Rand der darüber liegenden Grafik.

Seht ihr was sich verändert? Der linke Pfeil sorgt für sattere Schwarzwerte, der linke verändert die Darstellung für das Weiß. Derweil wandert der mittlere Pfeil mit und regelt unsere Graustufen. Die Änderung ist minimal, hat jedoch eine starke Wirkung, die wir mit „Ok“ bestätigen. Glückwunsch wir haben unseren Kontrast erfolgreich bearbeitet.

 

Meine vorher und nachher Bilder aus diesem Bearbeitungsschritt sehen so aus:

Um die Veränderung auch in GIMP nachträglich zu vergleichen, werft mal einen Blick auf den Ebenendialog. Vor den Ebenen seht ihr ein Augensymbol. Durch Anklicken könnt ihr es entweder aktivieren oder deaktiveren. Da unsere Ebenen blickdicht sind, verdeckt die oberste alle darunter liegenden Ebenen. Mit einem Klick auf das Augensymbol könnt ihr sie ein- und ausblenden.

 

 

Achtet beim weiteren Bearbeiten darauf, auch die richtige Ebene aktiv zu haben und speichert eure Arbeitsschritte in regelmäßigen Abständen.

 

Nun erzeuge ich mir von dieser bearbeiteten Ebene eine Kopie und sehe, ob und was sich weiterhin verbessern lässt. Das muss nicht zwangsläufig der Fall sein, also solltet ihr ein wenig Mut haben und herumprobieren. Solange ihr immer eine separate Ebene anlegt, ist ein Fehlschlag kein Drama. Es lässt sich alles zurücksetzen oder, falls ihr mit Bestätigen zu schnell wart, die Ebene löschen. (Arbeitsschritte lassen sich mit der Tastenkombination STRG+Z rückgängig machen oder unter dem Menüpunkt "Bearbeiten".)

 

Mit den beiden Funktionen „Helligkeit/Kontrast“ und „Kurve“ könnt ihr ähnliche Ergebnisse erzielen wie mit „Werte“. Euer erster Blick bei einer Bildbearbeitung sollte daher auf diesen 3 Möglichkeiten liegen. Manchmal reicht eines der drei aus, manchmal ist eine Kombination sinnvoll. Mit der Zeit bekommt ihr ein Gefühl dafür. Sollten Kombinationsveränderungen nicht nach eurem Geschmack sein und/oder das Bild gar verschlechtern, dann lasst die Finger davon. Weniger ist manchmal mehr.

 

Färben!

Im Grund habe ich nun ein hübsches Gewitterbildchen. Es wäre so gesehen bereit für ein Posting in einem Blog. Aber ich möchte euch noch mehr zeigen. Immerhin sind wir hier, um Bilder zu bearbeiten. Ich möchte es um einen Farbeffekt bereichern, damit es noch bedrohlicher aussieht. Also dubliziere ich meine bisherige Arbeit und wende mich den Auswahlmöglichkeiten „Farbabgleich“ und „Einfärben“ zu. Bei einem näheren Blick auf die Einstellmöglichkeiten fällt auf, dass der „Farbabgleich“ mehrere Farben zulässt. Beim „Einfärben“ steht uns nur eine Farbe (1 Regler) zur Verfügung. Ich entscheide mich daher für den Farbabgleich. Meine Bildstrecke verdeutlicht euch die schrittweisen Veränderungen mittels aktivierter Vorschau.

 

Das Ergebnis ist noch nicht schlecht. Aber vielleicht können wir noch ein wenig mehr aus dem Bild herausholen.

 

Der Ebenenmodus!

Ja, ihr lest richtig. Jede Ebene hat ihre eigene Einstellung, die standardmäßig auf „normal“ steht (siehe Bild, blaue Markierung). Wichtig ist hierbei die Reihenfolge der Ebenen. Als Ausgangspunkt nehme ich meinen erstellten Farbabgleich. Dessen Modus steht auf „normal“. Davon erstelle ich ein Dublikat und stelle dessen Modus auf „Multiplikation“. Der Effekt ist ordentlich wie man sieht. Nun erstelle ich noch ein Dublikat von meinem Ausgangspunkt und stelle den Modus auf „Überlagern“. Meine Bildstrecke sieht wie folgt aus.

 


In Bild 3 und 4 (die unteren beiden) habe ich noch die Deckkraft zweier unterschiedlicher Ebene verändert und unser mit „Werte“ bearbeitetes Bild hinzugefügt. Wie ihr seht sind eurer Fantasy keine Grenzen gesetzt. Ihr könnt mit GIMP auf unterschiedliche Weise Effekte erzeugen, sie verstärken oder abschwäche. Es gibt nie nur diesen einen richtigen Weg. Das ist das Schöne an GIMP, aber auch das Komplizierte. Man sollte experimentierfreudig sein, die Funktionen nach der Kennenlernphase versuchen zu kombinieren und seine Fertigkeiten schlichtweg schulen.

 

Und damit schließe ich den praktischen Teil und versorge euch noch mit ein paar wichtigen Informationen. In eurem Interesse solltet ihr sie jetzt oder aber auf jeden Fall später lesen.

 

Für den Druck geeignet?

Eigentlich sollte man sich die Frage vorher stellen. Je nachdem wie lange man an einer Bildbearbeitung sitzt, könnte man sich im Zweifelsfall JETZT die Haare raufen. Da unser kleiner Exkurs lediglich eine Fingerübung war, habe ich diese Frage nach hinten geschoben.

 

Erinnert ihr euch noch an die Zusammenhänge von Pixeln und dpi? Genau um die geht es nun. Bevor ihr ein Bild bearbeitet, solltet ihr sicher gehen, dass ihr damit einen möglichen Druck im Nachhinein auch in gewünschter Weise realisieren könnt. Da sich euer frisch geschossenes Foto als jpg auf eurem PC befindet, geht in den Ordner und ruft euch mittels rechtsklick die Eigenschaften des Bildes auf. Unter „Details“ findet ihr alle nötigen Informationen zum Bild. Vermutlich wird bei der Auflösung sowas schockierendes stehen wir 72 dpi. Aber beruhigt euch. Es ist alles halb so wild. Solche niedrigen Werte werdet ihr fast ausnahmslos bei Fotos wieder finden. Diese „72“ dpi sind die Auflösung für die darüber angegebenen Pixel der Höhe und Breite, die wiederum in die Maßeinheiten cm, mm usw. umgewandelt werden können. Pixel, Maßeinheiten und dpi stehen also miteinander in direkter Beziehung.

 

Zur Veranschaulichung ruft euch das karierte Bild ins Gedächtnis, das mit den RGB Farbpunkten aus Tutorial 2. Wenn ihr das in Gedanken nun immer weiter verkleinert, erhöht sich die Dichte der Bildpunkte richtig? Und das Papier mit seiner Begrenzung in Höhe und Breite wird auch kleiner. Im Prinzip machen wir gedanklich gerade nichts anderes als die dpi zu vergrößern. Aus unseren bösen 72 dpi werden also nach und nach 100, 200 und 300 dpi.

 

Damit wir also wissen, wann unsere dpi für den Druck ausreicht, existiert eine simple Formel. Ja, es wird ein wenig mathematisch.

 

dpi =

Pixel * 2,54

cm

 

Wir erinnern uns, dass dpi „dots per inch“ heißt. Der Wert 2,54 ist unser Umrechnungsfaktor (1 cm = 2,54 inch). Je nach Ausgangslage könntet ihr in die Verlegenheit kommen, die Formel umzustellen. Wichtig ist, dass ihr 2 der drei Variablen benennt. In unserem Fall haben wir die Pixelangaben für Höhe und Breite und wissen bei welcher dpi wir drucken können. Unsere Formel lautet daher wie folgt.

 

 

cm=

Pixel * 2,54

dpi

 

Zu eurer Information, mein Bild hat die Pixelwerte Breite 4160 und Höhe 2340. Für 300 dpi ergeben sich dann die Maße Breite 35cm und Höhe 19,812 cm. Das sind die maximal möglichen Abmaße solltet ihr einen Flyer damit gestalten wollen, nur so als Beispiel.

 

Der Vollständigkeit halber hier noch die dritte Formel.

 

Pixel=

cm * dpi

2,54

 

Wem das nun zu viel Aufwand ist und hinschmeißen möchte, den verweise ich auf das GIMP Menü „Bild“ und dort auf „Druckgröße“. Was ich euch eben so hingebungsvoll erklärt habe, lässt sich dort mit ein paar Klicks sofort überprüfen. Stellt euch die gewünschte Maßeinheit für die Höhe und Breite des Bildes ein und gebt die Auflösung bei den x- und y-Werten ein.

 

Druckerei oder Heimdruck?

Bestimmt hat sich der eine oder andere von euch schon gefragt, ob es auch möglich ist, daheim diese hochqualitativen Ausdrucke anzufertigen. Nach meinem letzten Tutorial erhielt ich von einer Autorenkollegin dahingehend einen Wink. Grundsätzlich kann ich sagen, ja es wäre machbar. Ich empfehle es nur keinen Laien. Es gibt viele Einflussfaktoren. Da wäre z. B. der Drucker selbst. Es gibt Tintenstrahldrucker, Laserdrucker usw. Auch das Papier wirkt sich auf den Druck aus. Gemäß dem Fall ihr habt die nötige Grundausstattung daheim, dann müsstet ihr noch immer die heute erstellten Druckdaten aufbereiten.

 

In Druckereien geschieht nichts anderes, wenn ihr eure tiff oder jpg Formate einreicht. Sie basieren auf dem RGB Farbraum. Die Drucker arbeiten jedoch im CMYK Farbraum. Dieser Unterschied bedingt eine Umwandlung. Das Problem hierbei ist, dass im CMYK Bereich weniger Farben realisierbar sind als mit RGB. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Druckereien sog. Farbprofile benutzen. Diese Farbprofile werden bei der Umwandlung der Farbräume eingesetzt.

 

Für GIMP existiert eine Reihe von AddIns, darunter auch eines für genau diese CMYK-Umwandlung. Frühere Versionen von GIMP haben dieses AddIn auch problemlos akzeptiert. Ich habe selbst damit herumexperimentiert. Seit dem Umstieg auf eine höhere GIMP Version funktioniert dieses AddIn bei mir und vielen anderen Anwendern nicht mehr. Ich habe es zumindest nie wieder zum Laufen gebracht. Also halte ich Abstand davon, zumal ich es eh nicht brauche. Aus eigener Erfahrung weiß ich aber, dass die Umwandlung trickreich sein und man eine Menge falsch machen kann. Daher rate ich euch, überlasst diesen Part einer Druckerei. Daheim könnt ihr ohne Umwandlung der Daten nicht dieselbe Qualität erzielen.

 

Und dabei belasse ich es für heute. Ich hoffe ihr hattet Spaß und vor allem genügend Durchblick bei der heutigen Lektion. Beim nächsten Mal beschäftigen wir uns mit dem Handling von Ebenenmasken.

 

Eure Rike

 

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