Einführung in GIMP 2.Teil

 

Nach der Praxis nun die Theorie!

Da ihr inzwischen mit der Oberfläche und ein paar unerlässlichen Arbeitsschritten vertraut seid, folgt heute ein an Theorie lastigeres Tutorial als ursprünglich von mir geplant. Mein Anliegen war es, euch langsam an die Benutzung von GIMP heranzuführen, weil ich bereits erleben durfte, wie unbeleckte Kollegen von einem Fachmann dieses Programm erklärt bekommen haben. Nach kürzester Zeit drehte sich ihnen der Kopf und das Verständnis tendierte für mehrere Tage gegen Null. Schuld daran waren sofortige, sehr ausschweifende und zudem trockene Erklärungen, was es alles zu beachten gilt und worauf das begründet ist.

Das wollte ich beim ersten Beschnuppern tunlichst vermeiden. Erste Bedienerfolge sind aus meiner Sicht viel motivierender, um an der Sache dran zu bleiben, als die Theoriekeule. Aber wie gesagt, das müssen wir heute nachholen und ich werde diese Keule so gut wie möglich in Watte packen und euch nur mit übergroßen Wattebäuschen beschmeißen. 

Beginnen wir also ganz langsam mit dem Schritt, den ich euch beim letzten Mal vorenthalten habe.

Eine Arbeit speichern!

Besonders experimentierfreudige Leser unter euch, werden es bestimmt versucht haben und stießen vermutlich sogar auf ein Problem, ein Problem, dass eigentlich keines ist. Im Menü „Datei“ finden wir die Funktionen „speichern“ und „speichern unter“ (blaue Umrandung im folgenden Bild). 

 

Eine frisch angelegte Arbeit wird mit „speichern unter“ zum ersten Mal gespeichert. Klickt die Funktion an und es öffnet sich ein Fenster. Ihr werdet aufgefordert eure Datei zu benennen und den Speicherort auszuwählen. 


 

Ich bitte um Verständnis, wenn ich ein paar für mich relevanten Informationen unkenntlich gemacht habe. Für euch sind nur die rot umrandeten Bereiche vorrangig. Für die meisten von euch ist die Endung xcf wohl Neuland.


Hierbei handelt es sich um das hauseigene Format von GIMP. Es speichert sämtliche Arbeitsschritte und Informationen zu eurer Arbeit und unterscheidet sich hierbei von den gängigen Endformaten, wie wir sie weiter unten kennenlernen werden. 

Wer jetzt versucht hat, daraus ein anderes Format zu machen, indem er die Endung verändert, wird bei Bestätigung zum Speichern mit einer Fehlermeldung beglückt oder vielmehr einem Hinweis, dass dieses Vorgehen an dieser Stelle nicht möglich ist. Ihr könnt nur xcf Formate mit den beiden oben genannten Speicher-Funktionen sichern. Für alle anderen Formate gibt es „exportieren“ oder „exportieren unter“ zu finden im Menü „Datei“ (rote Umrandung im obigen Bild).

 

Die Voreinstellung der Endung lautet bei mir png. Ihr könnt sie nach Belieben verändern, indem ihr sie selbst eingebt zusammen mit dem Dateinamen. Je nach Format könnten jedoch zusätzliche Angaben nötig sein. Doch dazu kommen wir zu einem späteren Zeitpunkt. Wichtig wäre noch zu erwähnen, dass ihr euch in beiden Speichermodi die in dem ausgewählten Ordner angelegten Arbeiten nach Format/Endung anzeigen lassen könnt. Auch dieser Bereich ist rot markiert. Diese Suche ist besonders hilfreich, wenn ihr bereits über sehr viele Grafikdateien in unterschiedlichsten Formaten verfügt und eine davon schnell finden wollt.

Damit kämen wir auch schon zur Einstiegsfrage und zum hoch theoretischen Teil dieses Tutorials.

 

Welches Format brauche ich eigentlich?

 

Dieser Frage werdet ihr zweifelsohne oft gegenüberstehen. Im Gespräch befinden sich mit Sicherheit die Formate jpg/jpeg, tiff, png oder gif. Diese Formate finden am häufigsten Anwendung. Nachfolgend findet ihr einen simplen Überblick, was welches Format ausmacht und wofür es sinnvoll zu gebrauchen ist.

Das Format gif ist von seinem Datenvolumen her äußerst händelbar, da es seine Informationen komprimiert. Es bläht sich unnütz auf und spart bei Verwendung den immer kostbaren Traffic. Zudem speichert es nur bis zu 256 Farben, dafür jedoch detaillreich. Ein fesches Format also, geeignet für sehr einfache Bilder eurer Blogs und dergleichen, für den Druck eher weniger. Wobei das im Einzelnen abzuklären bliebe. Ein einfaches Peace Zeichen auf einem T-Shirt wäre allerdings denkbar. 

 

Zu eurer Information:

Computer arbeiten im RGB Modus. So wird der Farbraum bezeichnet mit dem bis zu Abermillionen Farben dargestellt werden können. R steht für Rot, G für Gelb und B für Blau. Wenn ihr im Kunstunterricht der Schule gut wart, werdet ihr diese Farbpalette noch kennen. Damit lassen sich alle anderen Farben mischen.

 

Das Format jpg/jpeg ist vielen wohl geläufiger. Es kann mehr als 16 Millionen Farben speichern und ist damit verdammt voluminös, ein echter Brecher unter den Formaten. Kein Wunder also, dass es über eine hohe Kompression der Daten verfügt, um es im Internet nutzen zu können. Armer Traffic. Ein weiterer Nachteil ist der Datenverlust verursacht durch die Komprimierung. Mehrmaliges Überspeichern verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Allerdings besticht das Format mit bildhaft schöner Darstellung, weshalb es oft verwendet wird um Fotos auf dem PC zu speichern oder für die Veröffentlichung im Internet.

 

Das Format tiff kann genauso viel Farben speichern. Anders als das jpg/jpeg verfügt es über keine Kompression und auch entbehrt den Datenverlust, der die Qualität eines Bildes schmälert, egal wie oft dieselbe Datei überspeichert wird. So gesehen haben wir hier nun die Titanic vor uns. Es wird bei vielen Druckereien als Ausgangsdatei genutzt, jedoch nichts ausschließlich. Ich empfehle an dieser Stelle, sich vorab zu informieren, je nachdem wofür ihr eure Arbeit verwenden wollt. Das erspart Zeit, Arbeit und Nerven.

Das Format png spielt in derselben Liga für die Farbspeicherung wie tiff und jpg/jpeg. Es verfügt jedoch über eine sehr verlustarme und effektive Komprimierung, weshalb es für Blogs und Webseiten nahezu ideal ist. Um es bildhaft zu sagen, wir haben ein Flaschenschiff der Variante Titanic vor uns. Und noch einen Vorteil hat das Format. Es berücksichtigt Transparenzen, etwas das keines der anderen Formate macht. Hiermit lassen sich z. B. die Hintergründe von Bildern durchsichtig machen und perfekt in die Umgebung einer Webseite einfügen. Genial oder? Zum png wird es auf jeden Fall noch ein eigenes Tutorial geben, mit entsprechender Arbeit für Selfpublisher natürlich. Lasst euch überraschen.

 

Zusammenfassung:

Je nach Ziel eurer Arbeit ist es wichtig, das am besten geeignete Endformat zu kennen. Für Webseiten und Blogs eignen sich png und jpg/jpeg. Für deinen Druck sollte man auf tiff oder wenn nicht anders möglich auf eine frisch gespeicherte jpg/jpeg zurückgreifen. Für die Arbeitsschritte solltet ihr jedoch das xcf Format wählen. Es dient zusätzlich als Backup.

 

Auflösung ist Qualität!

Wer mit GIMP arbeitet, möchte entweder seine Webseite oder seinen Blog bereichern oder einen Druck in Auftrag geben. Dafür ist eine gewisse Qualität nötig. Um die zu gewährleisten, müssen wir uns nun über so etwas Trockenes wie Pixel und dpi/ppi unterhalten.

 

Fangen wir bei den Pixeln an. Stellt euch ein kariertes Blatt Papier vor. Überall dort, wo sich die Linien kreuzen, malt ihr euch gedanklich einen roten Punkt. Meinetwegen könnt ihr es auch tatsächlich machen, wenn es euch beim Verständnis hilft. Das Papier dürfte nun mit vielen roten Punkten übersät sein. DAS sind eure Pixel, es sind eure Bildpunkte und das Papier euer Bild. Nach diesem Prinzip funktioniert die Darstellung auf dem Monitor, halt nur mit sehr sehr viel kleineren Karos und natürlich mit den Farbpunkten des RGB-Raums (Rot, Gelb, Blau).

Wenden wir uns jetzt den dpi/ppi zu. Die Abkürzungen entstammen dem englischen für „dots per inch“ und „points per inch“. Inch bedeutet auf Deutsch Zoll, während dots und points schlichtweg Punkte sind – unsere Bildpunkte! Somit handelt es sich bei dpi/ppi um eine Maßeinheit, die bezeichnet wie viele Bildpunkte wir auf einem Zoll darstellen. Je mehr Bildpunkte wir haben, umso detailreicher das Bild. Mit steigenden Bildpunkten wächst auch das Farbangebot. Erkennt ihr die Zusammenhänge zu den Formaten wieder?

Wenn ihr also eine Druckdatei plant, müsst ihr im Vorfeld wissen wie hoch eure Auflösung also das dpi/ppi sein soll. Hilfestellung erhaltet ihr von der Druckerei eures Vertrauens. Um es abzukürzen, hier die gängigsten Anforderungen.

 

·         Auflösung von 300dpi bei: Flyern Broschüren, Büchern

·         Auflösung von 200dpi bei: Plakaten und Postern

·         Auflösung von 150dpi bei: Displays, Bannern, Flaggen, PVC Planen

 

Auch für Bilder im Internet, auf Webseiten und Blogs ist eine gewisse Auflösung wichtig. Orientiert euch dafür am besten an den obigen angaben. Damit seid ihr auf der richtigen Seite. Denn eine Faustregel müsst ihr euch merken.

Wenn ihr ein Bild vergrößert, verteilen sich eure Bildpunkte auf einer größeren Fläche. Damit wird das Bild irgendwann unscharf/pixelig. Es ist so als würdet ihr einen Ballon aufblasen. Die Hülle wird nach der Zeit durchsichtig und die Farbe verblasst. Damit werdet ihr also keinen Besucher eurer Webseite oder eures Blogs erfreuen. Ein zu klein angelegtes Bild, könnt ihr demnach nicht einfach großziehen. Es müsste neu erarbeitet werden.

Damit ihr mir an dieser Stelle nicht einschlaft, werden wir jetzt unser GIMP mit einer geeigneten Auflösung versehen. So ist sichergestellt, dass jede neu angelegte Arbeit in den Druck gehen kann (zumindest für obige Beispiele) und ihr nicht umsonst geackert habt. Einer Veröffentlichung im Internet kommt es auch zugute.

Dazu gehen wir im Menüpunkt „Bearbeiten“ auf „Einstellungen“. Nach einem Linksklick erscheint ein Fenster. Hier lassen sich unzählige Voreinstellungen tätigen. Uns interessiert jedoch nur die Auflösung und die finden wir unter „Neues Bild“ recht weit unten im linken Auswahlmenü (siehe Screenshot). Bei mir lautet die Einstellung 350 dpi für beide Werte. Bei euch könnte dieser Wert bei 72 stehen, je nachdem wie alt eure GIMP Version ist. Die neueren Versionen haben bereits eine passable Einstellung in diesem Bereich. Gebt am besten ebenfalls 350dpi als Voreinstellung ein. 


Diese Angabe liegt mit 50dpi über den von Druckereien geforderten Wert für Flyer, Bücher, Broschüren, also genau die Produkte die Selfpublisher so gerne ins Auge fassen und ich bin Selfpublisher. Der Grund für diesen höheren Wert ist leicht erklärt. Vorher solltet ihr jedoch die Eingabe mit „OK“ bestätigen und darauf achten, dass die Klammer, welche beide Wertebereiche verbindet, geschlossen ist.

Eine kurze Demonstration!

 

Testen wir doch einmal unsere Voreinstellung, legen wir eine neue Arbeit an. Ihr wisst noch wie es geht? Wartet jedoch mit dem Bestätigen. Klickt nun auf das Kreuz vor „Erweiterte Einstellungen“. Da seht ihr die vorgenommene Veränderung. 

 

Der Grund für diese Abweichungen der Maße in cm ist der Umrechnungsfaktor für die einzelnen Einheiten. Irgendwo wird immer gerundet und das sorgt für Fehler. Aber ihr seht nun, weshalb ich meine Auflösung etwas höher ansetze. So kann ich sicher sein, dass ich für meine anfallenden Arbeiten immer genug Auflösung für den Druck habe. Ich muss jedoch gestehen, dass dieser Trick aufgrund der Rundungsfehler beim Umrechnen nicht immer gelingt. Das ist mitunter auch der Grund, weshalb es bestimmte Druckformate gibt. Es muss eben alles stimmig sein.

 

Jetzt gehen wir einen Schritt weiter und verändern die Maßeinheit. Sagen wir 10 x 15 cm. Leider hat GIMP aus unserer 15 automatisch eine 15,001 gemacht. DAS wollen wir nicht, weil auch so eine Kleinigkeit für Probleme im Druck sorgen kann. Wir wollen 15 cm und versuchen ein wenig zu tricksen. Hierzu öffnet ihr die Klammer neben den Werten 350 dpi. Die Y-Auflösung korreliert mit der Höhenangabe. Also spielen wir an diesem Wert der Auflösung ein wenig herum, bis wir unsere 15cm haben. Mein Ergebnis sieht so aus:


Und damit wären wir für heute auch schon am Ende angelangt. Ich hoffe, ihr hattet trotz der vielen Theorie Spaß am TUT und habt mir folgen können. Nächstes Mal widmen wir uns der Bildbearbeitung, die nicht nur wichtig für die Veröffentlichung im Internet sein kann, sondern auch für die Covergestaltung für e-books und Taschenbüchern.

Bis zum nächsten TUT.

 

P.S.: Fremde Bilder stammen, soweit nicht anders gekennzeichnet, von der Plattform pixabay.com und sind lizensfrei nutzbar.

 

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