Rike GIMPt Part I


GIMP ist ein wunderbares Bildbearbeitungsprogramm. Vor einigen Jahren wurde es noch belächelt, ebenso dessen Nutzer. Umso mehr freut es mich, dass es in Qualität und Leistungsumfang in der heutigen Zeit eine solide Konkurrenz zu Photoshop und Co. darstellt und sogar kostenlos ist. Ich selbst nutze GIMP schon ziemlich lange und möchte Euch das Bildbearbeitungsprogramm in meiner Blogreihe über Landkartenerstellung etwas näher bringen.

 

„Ihr solltet ein wenig Vorwissen im Umgang mit Bildbearbeitungsprogrammen besitzen, um mir im Weiteren gut folgen zu können.“

 

Erster Schritt: "Der Hintergrund"

Zunächst erstellen wir ein neues Dokument. Für meine Zwecke habe ich die Maße 1050 x 800 px gewählt. Da ich vorhabe gleich eine Weltenkarte in Farbe zu erstellen, habe ich mich entschieden den zuvor weißen Hintergrund einzufärben. Die Wahl fiel auf einen kräftigen Blauton, wie man unschwer an dem nebenstehenden Bild erkennen kann.

 

Damit ist der leichteste Teil der Übung auch schon erledigt. Jetzt geht es ans Eingemachte.

 

Zweiter Schritt: "Die Landmassen"

Das Bild sieht schon nicht schlecht aus. Doch wie kommt Ihr dahin? Ganz einfach. Ihr benötigt als erstes eine neue transparente Ebene und eine gelbliche Sandfarbe. Der Kontrast zum blauen Hintergrund sollte einigermaßen stark sein.

 

Meine Landmassen habe ich in stundenlanger Kleinarbeit von Hand gezeichnet. Ein Graphiktablet ist sicherlich hilfreich an dieser Stelle, es geht aber auch ohne, nur mit der Maus und etwas Übung. Wenn Ihr jedoch nur die Arbeitsschritte nachverfolgen wollt, ist wohl eine etwas grobe Handarbeit angebracht. Zeichnet frei Hand ein paar gelbliche Felder.

 

Noch sieht die Karte nach nicht viel aus, doch das ändern wir mit den nächsten Schritten.

 

Dritter Schritt: "Die Schattierung der Landmassen"

Wenn ihr alte Karten betrachtet habt, wisst Ihr bestimmt, dass sie abgegriffen oder sogar speckig aussehen – jedenfalls nicht so schön einheitlich in der Farbe. Um dieser Optik etwas näher zu kommen, wenden wir uns als Erstes dem sog. inneren Schatten zu. Dieser betrifft die Landmassen. Und so geht es:

 

Wir haben einen blauen Hintergrund, den ich ab jetzt Wasserebene nenne und eine Ebene mit Landmassen. Sinnvollerweise sollte Letztgenannte über der Wasserbene liegen. Darüber erstellen wir erneut eine transparente Ebene und nennen sie z.B. „Schattierung Land“. Als nächstes aktivieren wir die Ebene mit den Landmassen und wählen aus dem Ebenendialog den Befehl „Auswahl aus Alphakanal“. Damit habt ihr sämtliche Landmassen auf der Ebene markiert. Ersichtlich wird das durch die weiße, gestrichelte Linie an den Rändern.

 

Nun wechseln wir auf die neu erstellte Ebene „Schattierung Land“ und arbeiten dort weiter. Ab jetzt ist die Reihenfolge der Arbeitsschritte ziemlich wichtig. Wir benötigen als Erstes einen passenden Pinsel (nicht den Stift) – den finden wir im Werkzeugkasten. Ich habe für die folgenden Zeichnungen die Pinselspitze Circle 7 benutzt.

Anschließend wählen wir die Farbe Schwarz aus und achten darauf, sie als Vordergrundfarbe zu verwenden. Die Deckkraft reduzieren wir umgehend auf 18% und die Pinselbreite verringern wir auf 0,5. Jetzt wählen wir im Menü „Bearbeiten“ die Funktion „Auswahl nachziehen“ und aktivieren im sich öffnenden Fenster „mit Pinsel nachziehen“. Bei der geringen Pinseldicke von 0,5 ist vermutlich noch nicht viel zu sehen. Aber keine Sorge das ändert sich gleich. Nachstehend findet Ihr die nächsten Einstellungen für den Pinsel Circle 7, die Ihr Schritt für Schritt umsetzt und zwar genauso wie eben für die Pinseldicke 0,5.

  • Pinseldicke 1,5 mit der Deckkraft von Schwarz bei 15%
  • Pinseldicke 3 mit der Deckkraft von Schwarz bei 12%
  • Pinseldicke 5 mit der Deckkraft von Schwarz bei 8%
  • Pinseldicke 7 mit der Deckkraft von Schwarz bei 5%

Wenn ihr das getan habe, sollte euer Ergebnis in etwa so aussehen:

 

Wie zu erkennen ist, hat der Pinsel nicht nur das innere der Landmassen nachgezogen, sondern auch den Bereich der für die spätere Küsenlinie reserviert ist. Das beheben wir mit folgendem Trick. Noch solltet ihr die Landmassen angewählt haben – wenn nicht sofort erneut alle auswählen. Auf der Wasserebene schneiden wir nun genau diese Massen aus. Anschließend machen wir sämtliche Auswahl rückgängig und wählen auf der Wasserbene das verbliebene Blau aus. Mit dieser Auswahl kehren wir auf die Ebene „Schattierung Land“ zurück und nutzen die Funktion „Ausschneiden“ – wie zuvor. Übrig geblieben sind die Rillen auf der Landmasse. Die verfeinern wir noch mit dem „gaußschen Weichzeichner“ ausdem Menü „Filter“ .

 

Zum Abschluss dieser Mammutaufgabe suchen wir uns noch eine dunkle braune Farbe aus der Farbpalette aus, wählen wieder die Landmassen an, erzeugen eine neue transparente Ebene, die ich „Umrisse“ genannt habe. Dort aktivieren wir wieder die Funktion „Auswahl nachziehen“ aus dem Menü „Bearbeiten“. Dieses Mal nutze wir jedoch die andere Möglichkeit und stellen die Strichstärke des Stiftes auf 2. (Ja, STIFT nicht den Pinsel)

 

Und so sieht das Ergebnis aus:


 

Vierter Schritt: "Die Küstenlinie"

Die Arbeitsschritte zur Erstellung der Küstenlinie sind eigentlich dieselben wie die zur Erstellung der Schattierung für die Landmassen.

  1. neue Ebene erstellen und umbenennen z.B. in „Küstenlinie“
  2. die Landmassen auswählen
  3. auf die neu erstellte Ebene wechseln und die Umrisse nachziehen.

Die Einstellungen sind dieselben wie für die Schattierung der Landmassen. Lediglich die Farbe im Vordergrund wird auf Weiß gestellt.

Anmerkung: „Zum Ausschneiden der überflüssigen Rillen, nehmt ihr jetzt die bereits aktivierten Landmassen. Übrig bleiben sollte nur die Küstenlinie.“

 

So sieht das Ergebnis aus:


 

Fünfter Schritt: "aus Neu mach Gebraucht"

 

Damit unsere Karte anschließend fleckig aussieht und ihren plastischen Charakter verliert, bedienen wir uns erneut einer neuen, transparenten Ebene und nennen sie z.B. Hintergrundrauschen. Jetzt müssen wir darauf achten keine Auswahl aktiv zu haben, wenn doch, ändern wir das umgehend und suchen im Anschluss im Menüpunkt „Filter“ nach Render -> Wolken -> Plasma.

Die Plasmafunktion wird Euch dieses hübsche Bild erzeugen (rechts). Es ist deutlich zu bunt. Daher benutzen wir im Menüpunkt „Farben“ die Funktion „Entsättigen“ und erhalten dafür das untere Bild:

Wie unschwer zu erkennen ist, habe ich noch eine Windrose eingefügt. Sie stammt nicht von mir, sondern von der Plattform Pixabay und ist ein lizensfreies Bild.

Nun spielen wir ein wenig mit der Deckkraft dieser Ebene. Ihr werdet sehen, dass dadurch die darunterliegenden Ebenen und ihre Farben wieder deutlich zur Geltung kommen. Wählt eine für euch akzeptable Transparenz aus.

 

Bei mir sieht das Ergebnis wiefolgt aus: